Die Auferstehung der taleigenen Brauerei nach 110 Jahren

Bier gehört zum Haslital wie die Dorfbrände, Holmes und der Föhn. Die Geschichtsbücher führen den Ursprung für das Taleigene auf 1828 zurück. Nach mehr als einem Jahrhundert mit Bier aus der Ferne soll das Brauhandwerk im Haslital wieder Einzug finden. Haslital Bier startet zu diesem Zweck und zur Erreichung eines langfristigen Ziels die Crowdfunding-Kampagne «brewfunding». Gemeinsam mit der Community sammeln die Initianten Kapital für die taleigene Brauerei. Sie soll auf dem Areal der ehemaligem Kalziumkarbidfabrik in Meiringen von 1917 eingerichtet werden. Noch vor dem offiziellen Start haben sich erste interessierte Supporter zu erkennen gegeben und weitere werde folgen, sind sich die Verantwortlichen sicher.

(Bild) Das Hauptgebäude und Teil der «Karbidi». In diesen geschichtsträchtigen Industriebauten wurde einst «Calciumcarbid» hergestellt. Schon bald soll hier Bier gebraut werden.


Das Haslital soll wieder eine eigene Brauerei haben, wie es einst und bis 1912 war. Dieser Meinung ist der Verein Haslital Bier, welcher seit 2018 unter gleichem Namen regionale Biere entwickelt und vertreibt. Längst ist das Bier aus dem Hasli mit dem Kronenadler auf der Flasche über das Tal hinaus bekannt. Bis heute wird es auf Brauanlagen in anderen Betrieben hergestellt. Der wegen Corona in Verzug geratene Plan mit der eigenen Brauerei findet exakt 110 Jahren nach der Schliessung der letzten und legendären «Braui» im Oberhasli seine Fortsetzung. Das bei der Gründung gesetzte Ziel, in drei bis fünf Jahren über eine (tal)eigene Produktionsstätte zu verfügen, rückt ein grosses Stück näher. Um das erfolgreich gestartete und überaus beliebte Haslital Bier soll nun eine starke professionelle Organisation aufgebaut werden. Erfolgreiche Unternehmer aus der Region sowie private Fans gestalten diese wichtige Weiterentwicklung aktiv mit und beteiligen sich bei diesem Aufbau. Es braucht aber noch weitere Unterstützung als Aufwind für den Kronenadler. Die Öffentlichkeit wird deshalb eingeladen, den Aufbau der Brauerei zu begleiten. In Zukunft soll es Haslital Bier möglich sein, Geniesser und Fans direkt zwischen Kesseln und Tanks wo das Bier entsteht zu empfangen. Auch Veranstaltungen wie Brewtours (Betriebsbesichtigungen), Brewinars (Braukurse), Degustationen und vieles mehr sind geplant. Mit dem Bau der (tal)eigenen Werkstätte verabschieden sich die Initianten von der Vereinsform und gründen ein Unternehmen - es soll eine Erlebniswelt rund um das Bier im Haslital entstehen, als wäre es nie weg gewesen.


Crowdfunding für die Kapitalbeschaffung

Unter dem Namen «Brewfunding» startet am 02.02.2022 das offizielle Crowdfunding der neuen Haslitaler Bierbrauerei zur Gewinnung von Supportern, Gönnern, Investoren und Sponsoren. Auf diese Weise soll das zu diesem Schritt notwendige Kapital zusammenkommen. Crowdfunding - von englisch crowd für Menschenmenge und funding für Finanzierung und/oder Förderung - auf Deutsch auch Schwarmfinanzierung oder Gruppenfinanzierung, ist eine Art der Finanzierung. Mit dieser eher jungen Methode der Geldbeschaffung lassen sich Projekte, Produkte, die Umsetzung von Geschäftsideen und vieles andere mit Eigenkapital oder dem Eigenkapital ähnlichen Mitteln versorgen. Das spezielle daran; Ihre Kapitalgeber sind eine Vielzahl von Personen, welche mit einem für sie passenden Engagement unterstützen und so zu einem Teil der Erfolgsgeschichte werden. Anstelle von Anteilen erhalten sie Gegenleistungen wie Bier oder Merchandisingartikel. Mit den gesammelten Unterstützungsbeiträgen richtet Haslital Bier das neue Lokal an die Anforderungen einer Brauerei aus und beschafft die entsprechende Infrastruktur für die professionelle Herstellung von Bier. Am 04.02.2022 (ab 17.00 Uhr) werden Türen und Tore geöffnet und die neuen Räumlichkeiten der Öffentlichkeit präsentiert. Über die Webseite www.kronenadler.com/brewfunding können sich Interessierte registrieren.


Objekt und Standort der neuen Brauerei

Die neue Unterkunft von Haslital Bier ist eine Altbekannte im Tal. «Es ist nicht irgendein Lokal, es ist unser absolutes Traumobjekt. Das beeindruckende Gebäude steht für Visionen, harte Arbeit mit gekonntem Handwerk und haslitaler Geschichte. Perfekt für die neue Kronenadler Brauerei.» so der Gründer von Haslital Bier, Christian Bachmann. Die Kalziumkarbidfabrik in Meiringen wurde am 11.09.1917 in Betrieb genommen und wurde mit dem zu diesem Zweck erbauten Kraftwerk Schattenhalb elektrisch versorgt. Die 1979 als letzte Karbidfabrik der Schweiz geschlossene «Karbiti» beherbergt heute unterschiedliche Unternehmen.


Bier im Haslital

Die Geschichte des Bieres in der Schweiz beginnt in Klosterbrauereien. Im 17. Jahrhundert erteilte auf dem Gebiet der Schweiz der Kanton Bern erstmals eine Bewilligung zur gewerbsmässigen Herstellung von Bier. Auch die Haslitaler liessen mit dem Bier nicht lange auf sich warten und sorgten für beeindruckende Einträge in den Geschichtsbüchern. Mit der Eröffnung einer Pension im Jahre 1828 wurde auch der Grundstein für die erste Brauerei im Haslital gelegt. Neben eigenem Brot stellte der Hausherr auch Bier her. Das erste in den Geschichtsbüchern erwähnte Bier im kommerziellen Sinne war das Lagerbier der Ad. Michel Brauerei im Stein aus dem Jahre 1862. Dieses und weitere Biere wurden bis zur Schliessung der Brauerei 1912 hergestellt und vertrieben.


(Bild) Die nach dem Brand von 1891 neu erbaute Brauerei Stein.


Haslital Bier

Das Haslital ist äusserst vielseitig und dennoch einzigartig. Wie ein Märchenland in einem Bilderbuch liegt das Oberhasli in einem bewundernswerten, durch Berge und Gewässer geformten Stück unserer geschätzten Natur. Die stolzen Bewohner sind geprägt von der beeindruckenden Geschichte und der faszinierenden Kultur. Packt man das alles in eine Flasche, entsteht Haslital Bier. Unter dem als Marke geschützten Kronenadler vertreibt Haslital Bier weltbekannte und beliebte alte Bierstiele neu interpretiert. Es versorgt das Tal mit unkomplizierten und einfachen Durstlöschern und bietet anspruchsvollen Geniessern zeitgleich eine Vielfalt von gelungenen Ausflugsmöglichkeiten. Im Juni 2016 wurde die Idee von Christian Bachmann für das Haslital Bier zum ersten Mal öffentlich gemacht. Produzieren liess er das Lagerbier ab Juni 2018 bei der JungfrauBräu AG, die sich über Facebook als Produktionspartner anerboten hat. Auf Grund mangelnder Transparenz in der Herstellung zu Lasten der Qualitätssicherung und wegen unterschiedlicher Vorstellungen kam nach wenigen Monaten bereits der Wechsel zur jungen und innovativen Brauerei Thun AG. Mit dieser Verlagerung nach Thun konnte sichergestellt werden, dass Bergquellwasser aus dem Haslital verwendet wurde und dass die gesamte Produktionskette an nur einem Ort geschieht. Wenn immer möglich wurde auf die Dienste von Unternehmen im Haslital vertraut. Die Otth AG führte das Wasser von der Alpen Energie Quelle nach Thun und das frisch gebraute Bier ins Hasital zurück. Von der Verarbeitung der Rohstoffe über das Brauen bis zur Abfüllung und Etikettierung erfolgte alles im selben Haus, bei der Brauerei Thun AG. Zuvor wurde das Bier zum Abfüllen nach Bern und wieder zurück nach Brienz gebracht. Dank dieser Zusammenarbeit war Haslital Bier in der Lage, der unerwartet grossen Nachfrage gerecht zu werden und für den späteren eigenen Betrieb wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Mit dem Schritt zur (tal)eigenen Brauerei kann Haslital Bier ein langfristiges Zwischenziel erreichen und so zahlreiche Wünsche aus der Community erfüllen.


(Bild) Das Haslital Bier an einem seiner Verkaufsorte – im Bistro am Badesee Hasliberg. Rechts wie es in den ersten Monaten aussah, als Lagerbier und auf der linken Seite mit neuem edlen Design und in verschiedenen Sorten.



Zeittafel

1828 Eröffnung Pension Ruof in Stein bei Meiringen durch Einwanderer Ruof Jakob

1853 Übernahme der Mühle, Bäckerei und Pension durch Flux Friedrich

1862 Lancierung des legendären Lagerbiers, welches durch die Brauerei Ad. Michel übernommen und bis 1912 produziert und vertrieben wurde

1863 Betriebsumwandlung in eine reine Brauerei

1865 Übernahme durch Otth Balthasar

1875 Übernahme Brauerei durch Michel Adolf (Schwiegersohn)

1891 Zerstörung durch Dorfbrand. Neubau Pension, Restaurant und Brauerei mit eigenen Kühlräumen «Eishaus»

1911 Erben und Übernahme durch Frau und Sohn Adolf, nach Tod von Michel Adolf

1912 Übernahme durch Bruder Michel Karl nach warmem Winter Schliessung Brauerei und Übernahme des Depots von Eichhof

1919 Erben und Weiterführung durch Frau Anna, nach Tod von Michel Karl

1959 Betriebsaufteilung innerhalb der Familie. Michel Adolf (Sohn) übernimmt die Pension und das Restaurant. Michel Lisel (Tochter) das Bierdepot.

1978 Übernahme als Geschäftsführung des Eichhof Bierdepot durch Berger-Huber Fritz über

1983 Übernahme des Mineralwasserhandlung Jaggi durch Mitarbeiter Peter Leuthold

1985 Übernahme des Eichhof Deport durch Peter Leuthold Getränkehandel

1992 Neubau Getränke Center und Eichhof Depot Meiringen

2004 Umwandlung des Getränke-Center Leuthold in eine Aktiengesellschaft